Näheres zu den Zeitabschnitten
Känozoikum:
Quartiär (1,8Mio.Jahre-heute)
Tertiär (65-1,8Mio.Jahre)
Mesozoikum:
Kreide (144-65Mio.Jahre)
Jura (206-144Mio.Jahre)
Trias (248-206Mio.Jahre)
Paleozoikum
(543-248Mio.Jahre)
Präkambium:
(4500-543Mio.Jahre)
Die Zeit von der Entstehung der Erde vor ca. 4,5 Mrd. Jahren bis zur Entwicklung einfacher Lebensformen wird Präkambrium genannt. Das Präkambrium ist v.a. durch den ersten Ausbruch des Lebens und die Anreicherung der Atmosphäre mit Sauerstoff gekennzeichnet und bildete damit die entscheidende Grundlage für die weitere Entwicklung der Erde.
Die Geschichte der Erde begann vor etwa 4,5-4,7 Milliarden Jahren, als unser Sonnensystem mit der Sonne und seinen Planeten durch das gravitationsbedingte Zusammenstürzen eines riesigen Staubnebels entstand. 10-15 Milliarden Jahre vorher, also heute vor ca. 15-20 Milliarden Jahren, war dieser Materie vermutlich im sogenannten Urknall entstanden.
Über die ersten 300-400 Millionen Jahre der Erdgeschichte ist heute so gut wie nichts bekannt. Aus radiologischen Untersuchungen werden die ältesten Gesteinskörner auf 4,2 Milliarden Jahre datiert. Die rundliche Form und die globale Verteilung dieser Körner lässt darauf schließen, dass sie unter Wasser lagen, was wiederum auf eine Durchschnitttemperatur von über 0° C und eine weitgehende Bedeckung der Oberfläche mit flüssigem Wasser hindeutet. Ein Teil des Wassers verdunstete und es entstand die Uratmosphäre, die neben Wasserdampf auch Methan, Ammoniak, Wasserstoff, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff enthielt. Aus diesen Gasen bildeten sich im Wasser verschiedene organische Verbindungen, darunter Fettsäuren, Kohlenhydrate und Aminosäuren. Diese sogenannte Ursuppe aus organischen und anorganischen Verbindungen bildete die Vorstufe des Lebens.
Die erste Form von Leben erschien vermutlich vor ca. 3,5-3,8 Milliarden Jahren. Stromatolithen, eine Art geschichtetes Karbongestein die auch heute noch in Westaustralien zu sehen sind, geben fossile Hinweise auf das Vorhandensein erster einzelliger Lebensformen (sogenannte Cyanobakterien). Diese Bakterien entwickelten schließlich die Fähigkeit zur Photosynthese, bei der als "Abfallprodukt" Sauerstoff anfiel. Lange Zeit wurde dieser bodennahe Sauerstoff unmittelbar wieder durch im Wasser gelöste Eisenionen gebunden. Rotbettablagerungen (rostfarbene Gesteinsschichten) in Kanada, Arizona und Westaustralien spiegeln auch heute noch diesen Vorgang wieder.
Vor ca. 2 Milliarden Jahren wurde jedoch mehr Sauerstoff gebildet, als durch geologische Prozesse gebunden werden konnte - es kam zur Anreicherung von Sauerstoff in der Atmosphäre. Dies führte zu einer biologischen Katastrophe, denn der Sauerstoff war für die meisten der damaligen Lebensformen tödlich. Gleichzeitig entstanden aber auch neue Arten, die in der Lage waren, Sauerstoff und Sonnenenergie weitaus effektiver zu nutzen, als die bisherigen Lebewesen. Die Ansammlung von Sauerstoff in der Atmosphäre führte allmählich auch zur Bildung von Ozon in der Atmosphäre. Diese Ozonschicht in der Atmosphäre war in der Lage, die tödliche ultraviolette Strahlung der Sonne wirkungsvoll abzuschirmen. Sie bildete damit auch die wesentliche Grundvoraussetzung für die später folgende Ausweitung der Evolution vom Leben im Wasser auf das Leben an Land.
Am Ende des Präkambriums bildeten sich erste vielzellige Lebewesen. Die Entstehung und Anreicherung von Sauerstoff in der Atmosphäre bildete damit letztendlich die entscheidende Grundlage für die explosionsartige Entwicklung der Lebensformen im Paläozoikum und auch für das Leben, wie wir es heute kennen.
Das Paläozoikum begann vor 543 Millionen Jahren und war vor allem durch eine explosionsartige Entwicklung des Lebens im Meer gekennzeichnet.
Das Paläozoikum umfaßt die folgenden Zeiträume
Kambrium
(490–543 vor Mio. Jahren)
Ordovizium
(443–490 vor Mio. Jahren)
Silur (417–443
vor Mio. Jahren)
Devon (354–417
vor Mio. Jahren)
Karbon (290–354
vor Mio. Jahren)
Perm (248–290
vor Mio. Jahren)
Das Paläozoikum begann mit einem explosionsartigen und scheinbar plötzlichen Auftreten zahlreicher wirbelloser Tiergruppen mit hartem, mineralischem Skelett im Kambrium. Hierzu zählen u.a. auch Korallen, Schwämme und Muscheln. Das anfangs eher kühle Klima wurde zunehmend warm und trocken. Die Kontinente waren häufig von Ozeanen überflutet. Europa, Asien, Nordamerika bildeten einzelne Kontinente, die übrigen Landmassen waren im Urkontinent Gondwana vereinigt.
Im Ordovizium nahm die marine Artenvielfalt weiter zu. Es entwickelten sich Brachiopoden, Trilobiten, Graptolithen, Seelilien, Seeigel und Nautiloideen. Über 11 Meter lange Cephalopoden sind am Ende des Ordoviziums die größten lebenden Tiere. An Land entwickeln sich zu dieser Zeit die ersten Landpflanzen und Moostierchen
Im Silur entwickeln sich die ersten Kieferfische, darunter die Lungenfische. Auf den Kontinenten erscheinen die ersten Landtiere, v.a. Skorpione und Tausendfüßer. Europa und Amerika verbinden sich zu Euramerika
Im Devon beherrschen 8-10 Meter große Panzerfische die Weltmeere. Erste Haie wie der Bügelbretthai tauchen am Ende des Devon auf. Auch der heute noch lebende Quastenflosser tritt in dieser Zeit erstmals auf. An Land breiten sich Gefäßpflanzen rasch aus, erste Samenpflanzen entstehen. Erstmals verlassen Amphibien das Wasser und beginnen damit den evolutorischen Schritt vom Wasser ans Land.
Im Karbon lösen moderne Knochenfische und auch die Haie die altertümlich gepanzerten Fische in zunehmendem Maße ab. An Land erscheinen erste Reptilien und zahlreiche Insekten, darunter auch riesige flugfähige Libellen mit 70cm Spannweite und bis zu 2 Meter lange Tausendfüßer. Im Karbon sind nun auch Pflanzen großflächig vertreten, die wiederum die Nahrungsgrundlage für die später an Land lebenden Pflanzenfresser bilden. Die Kontinente beginnen sich einander anzunähern, das Klima im Norden ist subtropisch, auf dem südlichen Gondwana dagegen eher kühl und trocken. Durch die Annäherung der Kontinente werden in Mitteleuropa und Nordamerika riesige Gebirge aufgefaltet. In dieser Periode werden gewaltige Kohleflöze gebildet, die heute zu den wichtigsten Kohlereservoirs Europas gehören
Im Perm, dem letzten Abschnitt des Paläozoikums, vereinigen sich die Kontinente zum Superkontinent Pangäa. Mitteleuropa liegt zu diesem Zeitpunkt nahe des Äquators. Am Ende des Perms wird die Tierwelt, insbesondere die des Meeres, von einem Massensterben getroffen, dem nach Schätzungen etwa 75-90% aller Arten zum Opfer fallen. Die Ursachen dieses Massensterbens sind heute nicht bekannt und mit dem Perm endet das Erdaltertum.
Im darauffolgenden ersten Abschnitt des Erdmittelalters, der Trias, eroberten riesige Dinosaurier die Erde.
Trias bedeut
"Dreiheit" und steht für die drei in dieser Zeit vorzufindenden
Gesteinsschichten
Muschelkalk (vor 239-229 Mio. Jahren)
Keuper (vor
229-206 Mio. Jahren)
Geologisch ist die Trias vor allem durch das Auseinanderbrechen des Superkontinents Pangäa gekennzeichnet. In den Spalt zwischen dem nördlichem und südlichem Teil von Pangäa dringt die Tethys, das Ur-Mittelmeer, weiter nach Osten in Richtung Mitteleuropa ein. Im mittleren Trias werden riesige Korallenriffe gebildet, u.a. die heutigen Dolomiten, und am Ende des Trias setzen weiträumige Überflutungen, auch im germanischen Becken, ein, die über das gesamte Jura bestehen bleiben.
Das große Massensterben am Ende des Perm haben vor allem im Wasser nur wenige Tierarten überlebt. Die Katastrophe bildet Platz für neue Arten: In den Meeren entwickeln sich am Ende des Trias Schildkröten, moderne Knochenfische und erste Ichtyosaurier, die es im Jura zu gewaltiger Größe bringen werden. An Land sind Reptilien und Krokodile weit verbreitet. Riesige, säugetierähnliche Amphibien, wie der Cynodont, erleben eine letzte Blütezeit. Am Ende des Trias erscheinen die ersten, nur mausgroßen Säugetierarten.
Vor ca. 230 Millionen Jahren tauchen die ersten Dinosaurier auf. Eine der frühen Arten war Coelophysis, ein kleiner, nur gerade mal ein Meter großer Fleischfresser. Am Ende des Trias zeigen sich die ersten mächtigen Dinosaurier, wie der Plateosaurus, der bis zu 9 Meter lang und 3-4 Meter hoch werden können. Er ernährte sich ausschließlich von Pflanzen und man nimmt an, dass er sich auf seine Hinterbeine stellen konnte um hochgelege Pflanzen besser zu erreichen. Diese Gruppe der Prosaurupoden war verwandt mit den gigantischen Sauropoden, die im nachfolgenden Jura auf weiten Teilen der Erde vorzufinden waren.
Eine weitere Gruppe, die am Ende des Trias auf der Erde erschien, waren die Pterosaurier, kleine flugfähige Reptilien, die sich vorwiegend von Insekten ernährten und deren Fossilien im mitteleuropäischen Raum gefunden wurden.
Im nachfolgenden Jura entwickelten sich die Dinosaurier zu ihrer vollen Blüte. Auch im Wasser beherrschten riesige Ichtyosaurier die Weltmeere.
Als Jura wird die Zeit vor 206 bis 144 Millionen Jahre bezeichnet. Das Jura wird nach seinen Gesteinsschichten unterteilt in die Epochen
Schwarzer Jura
(vor 206-180 Millionen Jahren)
Brauner Jura
(vor 180-160 Millionen Jahren)
Weißer Jura
(vor 160-144 Millionen Jahren).
Im Weißen Jura, vor etwa 150 Millionen Jahren, entstanden die auffallenden hellen Felsen des Lonetals. Diese riffbildenden Organismen wuchsen aus dem Meeresboden empor und bildeten große tropische Riffe, die zum Teil bis an die Wasseroberfläche reichten, wie man das auch von heutigen Korallenriffen her kennt. Das Gestein, das im Laufe der Zeit aus diesen Riffen entstand, ist der sogenannte Massenkalk, ein extrem hartes und widerstandsfähiges Gestein, das den Jahrmillionen der Verwitterung und Erosion besser standhielt, als weicheres Gesteins und das somit auch heute noch auf der Schwäbischen Alb zu sehen ist. Die im Lonetal zu findenden hellen Felsen sind damit die Reste eines 150 Millionen Jahre alten Riffes, in dessen Meer eine faszinierende marine Tierwelt mit gigantischen Ichtyosauriern, Haien und Krokodilen lebte.
Weltweit berühmte Fossilien, die einen faszinierenden Einblick in die damalige Tierwelt geben, wurden unweit des Lonetals in den Schieferbrüchen bei Holzmaden entdeckt. Die am häufigsten gefundenen Reptilienfossilien der Jurazeit sind die Ichtyosaurier, bis zu 18 Meter große Nachfahren der landlebenden Dinosaurier. Diese delphinähnlichen Tiere mussten zum Atmen an die Oberfläche kommen. Wie Säugetiere brachten sie lebende, bereits vollentwickelte Jungtiere zur Welt. Sie waren schnell schwimmende Jäger, die sich von Tintenfischen und Fischen ernährten. Auch Haie und urzeitliche Krokodile dürften häufige Bewohner des Jurameeres gewesen sein. Doch an der Spitze der Nahrungspyramide stand ein anderes Reptil: Liopleurodon war mit 25 Metern das größte Raubtier, das je auf unserem Planeten lebte. Selbst die großen Ichtyosaurier, Haie und Krokodile dürften auf seiner Speisekarte gestanden haben. Auch der gigantische Leedsichtys, mit bis zu 27 Meter Länge der größte Fisch, der jemals existierte, war eine beliebte Beute des Liopleurodon.
Auch an Land hatten riesige Dinosaurier und Flugsaurier ihre Blütezeit. Niemals zuvor oder danach war das leben so riesig wie in der späten Jurazeit. Diplodocus war wohl das größte Tier, das jemals auf der Erde existiert. Diplodocus dürften bis zu 45 Meter lang, 5 Meter hoch und über 30 Tonnen schwer geworden sein. Die Herrschaft der Dinosaurier sowohl an Land als auch im Wasser dauerte bis an das Ende der Kreidezeit, als vermutlich eine kosmische Katastrophe den Untergang der Dinosaurier besiegelte.
Die Kreidezeit ist der Zeitabschnitt vor 144-65 Millionen Jahren. Sie war geprägt von der Herrschaft großer fleischfressender Dinosaurier und einem plötzlichen Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreidezeit, als vermutlich ein Meteorit in die Erde einschlug.
Während der Kreidezeit zerbricht der einstmalige Superkontinent Pangäa endgültig in die Kontinente, wie wir sie heute kennen. Die Tethys wird zwischen Nordafrika und Europa zusehends eingeengt. Das Klima kühlte sich etwas ab und reichte nicht mehr zur Riffbildung durch Korallen, die ein konstante Temperatur von mindestens 20°C benötigen, aus. Weite Teile Deutschlands sind zunächst überflutet, im Laufe der Kreidezeit zieht sich der Ozean aber aus Deutschland zurück.
Mit dem Rückzug des Meeres über Süddeutschland beginnt die Entstehung des Lonetals. Die Erdoberfläche in unserem Raum wölbte sich großflächig auf, Süddeutschland befand sich damals auf einer nach Süden bzw. Südosten geneigten Fläche dieser Wölbung. Der Scheitel dieser Wölbung lag im Bereich des heutigen Rheintals, von dort flossen die Wassermassen entsprechend ihres Gefälles nach Süden bzw. Südosten ab. Durch dieses Entwässerungssystem bildeten sich große Flüsse aus, darunter auch die Lone. Das Quellgebiet der Lone dürfte damals im Schwarzwald, oder noch weiter westlich gelegen haben. Diese Urlone war mit dem heutigen Flüsslein kaum vergleichbar. Sie dürfte vielmehr ein mächtiger Fluß gewesen sein, der weit im Süden, am heutigen Alpennordrand, in die Tethys mündete. Eine Donau, wie wir sie heute kennen, in die die Lone hätte einfließen können, gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
An Land erscheinen in der Kreidezeit neue Dinosaurierarten, darunter die wohl bekanntesten Riesige Flugsaurier beherrschen die Lüfte der Kreidezeit. Hierzu zählte der Ornithocheiros, mit 12 Meter Spannweite und einer Körperlänge von 2,5 Metern wohl das größte flugfähige Lebewesen, das je unsere Erde bevölkerte.
Die vielleicht größten Veränderungen gab es im Pflanzenreich: Blütenpflanzen breiteten sich zunehmend aus und entwickelten sich bis zum Ende der Kreidezeit zur häufigsten Pflanzenart.
Säugetiere führten zu dieser Zeit weitgehend ein Schattendasein, sie waren vorwiegend kleine flinke Nesträuber, wie der Didelphodon, der sich von Dinosauriereiern ernährte.
Das Leben im Meer dürfte kaum weniger gefährlich gewesen sein, als an Land. Riesige Mosasaurier, bis zu 17 Meter lange, fleischfressende Meeresreptilien standen an der Spitze der marinen Nahrungskette. Archelon, eine knapp 5 Meter große Riesenschildkröte lebte ebenfalls in den Meeren der Kreidezeit, doch trotz ihrer Größe war sie vor den damaligen Räubern, zu denen neben den Mosasauriern vor allem auch Haie gehörten, keineswegs sicher.
Vor 65 Millionen Jahren starben die Saurier an Land und im Wasser plötzlich aus. Die Frage nach der Ursache des Aussterbens ist eine der häufigsten Fragen der Paläontologie. Wahrscheinlich ist, dass ein Klimawandel das Aussterben vieler Arten begünstigt hat. Die Erde kühlte sich zu dieser Zeit zusehends ab und ein Rückgang des Meeresspiegels könnte die Lebensräume der Dinosaurier, insbesondere die Flachwasserzonen, reduziert haben.
Zusätzlich gab es ein Häufung von Vulkanausbrüchen am Ende der Kreidezeit, die zumindest zu lokalen Veränderungen der Atmosphäre geführt habe dürfte.
Die zweite und am häufigsten genannte Theorie ist die sogenannte "Impact Theorie". Hierbei wird vermutet, dass ein großer Meteoriteneinschlag das Aussterben der Dinosaurier verursachte. Riesige Staubwolken könnten die Atmosphäre für Monate oder gar Jahre verdunkelt und den damaligen Tieren letztendlich die Lebensgrundlage entzogen haben.
Das plötzliche Massensterben am Ende der Kreidezeit ebnete jedoch den Weg für die Erfolgsgeschichte der Säugetiere im nächsten erdgeschichtlichen Zeitabschnitt - und bereitet damit auch die Bühne für die Entwicklung des Menschen.
Mit dem Tertiär beginnt die erdgeschichtliche Neuzeit. Es wird unterteilt in die Abschnitte
Paläozän (vor
65-58 Mio. Jahren)
Eozän (vor
58-37 Mio. Jahren)
Oligozän (vor
37-23 Mio. Jahren)
Miozän (vor
23-5 Mio. Jahren)
Pliozän (vor
5-1,8 Mio. Jahren)
Im Paläozen trennt die Tethys noch Afrika, Arabien und Vorderindien vom eurasischen Kontinent und zwischen Europa und Nordamerika besteht noch eine Landbrücke. Im Eozän trennen sich schließlich Europa und Nordamerika. Vor rund 50 Millionen Jahren sinkt der Rheingraben ein und öffnet eine Verbindung zwischen Nordsee und dem heutigen Mittelmeer.
Im Miozän kommt es zur Auffaltung des Himalajas. Die Polgebiete und Kontinente nähern sich ihren heutigen Positionen und nehmen allmählich ihre jetzige Gestalt an.
Nachdem vermutlich ein Meteoriteneinschlag am Ende der Kreidezeit für eine vorübergehende Abkühlung gesorgt hatte, kehrten im Eozän subtropische Temperaturen in Europa ein. In Deutschland gibt es Sumpflandschaften mit üppiger Vegetation, darunter Bananenbäume, Sumpfzypressen und Gummibäume, die sich im Laufe der Jahrmillionen zur Braunkohle verdichten.
Europa wird tektonisch vor allem durch die Annäherung der eurasischen und der afrikanischen Platte geprägt. Mitten aus der Tethys werden durch die Bewegung der beiden Kontinentalplatten im Laufe des Tertiärs die Alpen aufgefaltet. Im Zuge dieser Auffaltung kommt es in Deutschland zu einer hohen Vulkanaktivität. Die Alpen trennen schließlich ein großes Binnenmeer von der Tethys ab. Die Alpen bildeten eine Seite der Uferlinie dieses Meeres - die andere, nördlich gelegene Uferlinie können Sie heute noch sehen - u.a. am Heldenfinger Kliff beim Lonetal.
Wenn Sie vor ca. 20
Millionen Jahren am Heldenfinger Kliff standen, blickten Sie in ein tropisches
Meer, in dem sich riesige Haie, Rochen und auch Wale tummelten. Die Lone mündete
damals bei Westerstetten, später bei Bernstadt in dieses Urmeer.
Noch heute können Sie die Spuren dieses Urmeeres entdecken. Am Heldenfinger
Kliff finden Sie Versteinerungen von Muscheln und Schnecken.
Mit dem Verschwinden der Dinosaurier konnten die Säugetiere ihr weitgehendes Schattendasein beenden und sich zu ihrer vollen Blüte entfalten. Nur die kleineren Tier hatten die Katastrophe vor 65 Millionen Jahren überlebt, einer dieser Vertreter war das Leptictidium, ein kleines, hüpfendes Tier mit einer rüsselartigen Schnauze. Aufgrund ihrer enormen Anpassungsfähigkeit entwickelten sich im Laufe der Jahre zahlreiche neue Arten und die Säugetiere sollten in den kommenden 65 Millionen Jahren zu der vorherrschenden Spezies auf unserem Planeten werden. Bis vor ca. 40 Millionen Jahren standen jedoch noch Gastornis, bis zu 2 Meter hohe Raubvögel, an der Spitze der Nahrungskette. Im Laufe der Jahrmillionen wurden sie dann von effizienteren Jägern abgelöst. Es waren vor allem Raubkatzen wie die Säbelzahnkatzen, die sich weltweit an die Spitze der Nahrungspyramide stellten.
Vor 40 Millionen Jahren entwickelten sich auch die ersten Wale und vor etwa 4 Millionen Jahren verließen im Herzen Afrikas Primaten ihre Bäume um in den offenen Steppen auf Nahrungssuche zu gehen. In den hohen Gräsern der offenen Steppen erwies sich ein erhöhter Blickpunkt als großer Vorteil und so entwickelten diese Primaten erstmals einen aufrechten Gang. Australopithecus afarensis war einer dieser Primaten und wohl einer der ersten Vorfahren des modernen Menschen, der im nachfolgenden Zeitabschnitt die Erde stärker prägen würde, als es jemals zuvor in der 4,5 Milliarden dauernden Geschichte der Erde eine Spezies getan hatte.
Das Quartär ist die jüngste Epoche der Erdgeschichte, die vor 1,8 Millionen Jahren begann und die bis heute andauert. Sie wird in das Pleistozän und das Holozän, das vor 10.000 Jahren begann, unterteilt
Das Quartär ist klimatisch durch starke Temperatur- schwankungen geprägt, die unterschiedliche Kalt- und Warmzeiten verursachten. Gründe liegen u.a. in astronomischen Parametern, wie der Neigung der Erdachse oder der Umlaufbahn der Erde um die Sonne, sowie in tektonischen Bewegungen, die wiederum Änderungen der Meeresströmungen bedingen.
Während der Kaltzeiten kommt es zu weitflächigen Vergletscherungen der Erdoberfläche, wobei zeitweise bis zu 30% des Festlandes mit Eis bedeckt sind. Durch diese massive Eisbildung kommt es zu einer deutlichen Absenkung des Meeresspiegels und es bilden sich Landbrücken zwischen einzelnen Kontinenten, wie der Bering-Brücke.
Die Klimaschwankungen wirken sich in Mitteleuropa besonders auf die Populationen der Säugetiere aus. Während den Warmzeiten sind in Mitteleuropa u.a. Waldelefanten, Waldnashörner, Flußpferde und Wasserbüffel heimisch, in den Kaltzeiten finden sich dagegen angepasste Tierarten wie Mammut, Wollhaarnashorn, Riesenhirsch und Höhlenlöwe in unseren Breiten (Tiere der Eiszeit). Die Pflanzen können dem raschen Klimawechsel aufgrund der Barrieren nach Süden (Alpen und Mittelmeer) nicht folgen und sterben in den Eiszeiten weitgehend aus. Am Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren ereilt die bei uns heimischen kälteangepassten Großsäuger wie Mammut, Wollnashorn, Riesenhirsch und Steppenwisent dasselbe Schicksal.
Am Anfang des Quartärs, vor knapp 2 Millionen Jahren, beginnt mit dem Homo Habilis die Entwicklung der Gattung Mensch. Diese Art ist bereits in der Lage, einfache Werkzeuge herzustellen. Homo Erectus ist die erste Spezies, die vollständig aufrecht gehen kann und deren Hirnvolumen größer als 1 Liter ist.
Vor ca. 1.000.000 Jahren verlassen unsere Urahnen ihren Ursprungskontinent Afrika in Richtung Europa und Südostasien.
Vor etwa 500.000 Jahren erreichen unsere Vorfahren erstmals Europa, wo sich vor ca. 300.000 Jahren der Neandertaler, ein besonders robuster, auf kalte Klimazonen spezialisierter Menschentyp, herausbildet. Mit 1400 Kubikzentimetern Hirnvolumen übertrifft das Gehirn von Homo neanderthaliensis sogar das des modernen Menschen um 100 Kubikzentimeter. Vor 30.000 Jahren starben die Neandertaler, vermutlich aufgrund mangelnder Anpassungsfähigkeit, aus.
Der moderne Mensch Homo Sapiens betritt vor 100.000 Jahren zum ersten Mal die Weltbühne. Als erste Art ist der Homo Sapiens in der Lage, sein Umwelt aktiv und bewußt zu gestalten. Eindrucksvolle erste Belege dieser kreativen Kraft sind die kulturhistorisch einmaligen Funde im Lonetal (Der Löwenmensch), die als eine der ersten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte gelten.
Heute ist der Mensch in der Lage, nicht nur kleine Kunstwerke anzufertigen, sondern seine Lebensräume auch großräumig und auf Dauer zu beeinflussen. Vor etwa 100 Jahren beginnen Menschen der Gattung Homo Sapiens durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Emission von Treibhausgasen erstmals in globalem Maßstab in ihre Umwelt einzugreifen - mit noch ungewissem Ausgang. 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte haben uns jedoch vor allem eines gelehrt: Keine Art lebt ewig.